Wenn Buchung und Türschloss automatisch zusammenarbeiten

Intelligente Zugangssteuerung für den Mehrgenerationen Hof Ahaus

Ferienwohnungen und Carsharing unter einem Dach – und trotzdem soll jeder Gast automatisch seinen persönlichen Zugangscode erhalten? Was einfach klingt, war technisch eine echte Herausforderung. Wie wir zwei völlig unterschiedliche Buchungssysteme mit einer professionellen Zutrittskontrolle verbunden haben – und warum dafür ein kleiner Raspberry Pi eine Schlüsselrolle spielt.


Die Ausgangslage: Zwei Welten, ein Gebäude

Der Mehrgenerationen Hof Ahaus vereint mehrere Nutzungskonzepte auf einem Gelände: hochwertige Wohnungen kombiniert mit Gästezimmer und ein modernes Carsharing-Angebot für die Bewohner. Beide Angebote werden über die Plattform chayns verwaltet – allerdings über zwei technisch vollkommen getrennte Buchungssysteme:

  • MicroShare für die Apartment-Buchungen (Ferienwohnungsvermietung mit Kalender, Verfügbarkeit und Bezahlung)

  • Carsharing-Modul für die Fahrzeugbuchung (stundengenau, mit eigenem Buchungskalender)

Gleichzeitig wird der physische Zugang – sowohl zur Eingangstür der Apartments als auch zum Carsharing-Stellplatz – über UniFi Access von Ubiquiti gesteuert. Das ist ein professionelles Zutrittskontrollsystem mit PIN-Code, NFC und zeitlich begrenzten Besucherfreigaben.

Die Herausforderung: Wie sorgt man dafür, dass ein Gast, der online ein Apartment bucht, automatisch einen PIN-Code erhält, mit dem er genau im gebuchten Zeitraum die Eingangstür öffnen kann? Und wie funktioniert das Gleiche für jemanden, der sich für zwei Stunden ein Carsharing-Fahrzeug reserviert – mit Zugang zum Tor des Stellplatzes?


Die Lösung: Eine maßgeschneiderte Schnittstelle

Die Antwort ist ein System aus drei Komponenten, die nahtlos zusammenarbeiten:

1. Der Booking Service – das Herzstück in der Cloud

Der MGH Booking Service läuft als Cloud-Dienst und bildet die zentrale Drehscheibe. Er empfängt Buchungsdaten aus beiden chayns-Systemen – egal ob Apartment oder Carsharing – und bereitet sie einheitlich auf:

  • Gastdaten wie Name, E-Mail und Telefonnummer werden gespeichert

  • Buchungszeiträume (Check-in/Check-out bzw. Mietbeginn/Mietende) werden extrahiert

  • Buchungstyp (Apartment oder Carsharing) wird erkannt und korrekt zugeordnet

Sobald eine neue Buchung eingeht, wird ein Auftrag zur Erzeugung eines Zugangscodes ausgelöst – vollautomatisch, ohne dass ein Mitarbeiter eingreifen muss.

2. Der Raspberry Pi – die lokale Middleware

Hier wird es technisch spannend: Die UniFi Access API, über die Besucherzugänge und PIN-Codes verwaltet werden, ist ausschließlich im lokalen Netzwerk erreichbar. Das ist aus Sicherheitsgründen so gewollt – Ubiquiti stellt diese Schnittstelle bewusst nicht über das Internet zur Verfügung.

Das bedeutet: Ein Cloud-Dienst allein kann die Zutrittskontrolle nicht direkt ansteuern. Es braucht einen Vermittler vor Ort.

Diese Rolle übernimmt ein Raspberry Pi, der im lokalen Netzwerk des Mehrgenerationen Hofs steht. Er fungiert als intelligente Middleware zwischen Cloud und Hardware:

  • Er empfängt Buchungsaufträge aus der Cloud

  • Er kommuniziert mit der UniFi Access API im lokalen Netzwerk

  • Er erzeugt einen Besucher im Zutrittssystem mit dem exakten Gültigkeitszeitraum

  • Er generiert einen individuellen PIN-Code und weist ihn dem Besucher zu

  • Er weist die richtige Tür zu – Haupteingang für Apartments, Tor für Carsharing

  • Er meldet den erzeugten PIN-Code zurück an den Cloud-Service

3. MQTT – die Kommunikationsbrücke

Die Kommunikation zwischen dem Cloud-Service und dem Raspberry Pi erfolgt über MQTT – ein leichtgewichtiges Nachrichtenprotokoll, das speziell für IoT-Szenarien entwickelt wurde.

Warum MQTT und nicht einfach eine REST-API?

Die Entscheidung für MQTT war bewusst und hat mehrere Gründe:

  • Kein offener Port nötig: Der Raspberry Pi baut eine ausgehende Verbindung zum MQTT-Broker auf. Er muss nicht aus dem Internet erreichbar sein – keine Port-Weiterleitung, keine Sicherheitsrisiken durch offene Ports im Heimnetzwerk.

  • Zuverlässig auch bei instabiler Verbindung: MQTT ist für genau solche Szenarien gebaut. Sollte die Internetverbindung kurz ausfallen, verbindet sich der Pi automatisch neu und verarbeitet wartende Nachrichten.

  • Bidirektional: Die Kommunikation funktioniert in beide Richtungen – der Cloud-Service sendet Buchungen an den Pi, und der Pi meldet den erzeugten Zugangscode zurück an die Cloud. Beides über den gleichen Kanal, entkoppelt und asynchron.

  • Extrem ressourcenschonend: MQTT ist so leichtgewichtig, dass es auf einem Raspberry Pi problemlos dauerhaft im Hintergrund läuft – ohne nennenswerte CPU- oder Speicherbelastung.

Der MQTT-Broker läuft als eigenständiger Dienst und vermittelt die Nachrichten zuverlässig zwischen beiden Seiten.


Der Ablauf: Von der Buchung zum Zugangscode

Was für den Gast wie ein nahtloses Erlebnis wirkt, durchläuft im Hintergrund mehrere Stationen:

  1. Buchung – Der Gast bucht über die chayns-App ein Apartment oder ein Carsharing-Fahrzeug und bezahlt direkt online.

  2. Verarbeitung – Der Booking Service empfängt die Buchung, erkennt den Typ (Apartment oder Carsharing) und speichert alle relevanten Daten.

  3. Auftrag – Per MQTT wird ein Buchungs-Event an den Raspberry Pi gesendet – inklusive Gastname, Zeitraum und Buchungstyp.

  4. Zugang erstellen – Der Pi erstellt über die lokale UniFi Access API einen zeitlich begrenzten Besucherzugang mit individuellem PIN-Code. Bei Carsharing-Buchungen wird automatisch eine Kulanzzeit aufaddiert, damit der Gast auch bei leichter Verspätung noch Zugang zum Fahrzeug hat.

  5. Rückmeldung – Der erzeugte PIN-Code wird per MQTT an den Cloud-Service zurückgemeldet und in der Datenbank gespeichert

  6. Benachrichtigung – Der Gast erhält seinen persönlichen Zugangscode: Apartment-Gäste per E-Mail mit einer ansprechend gestalteten Buchungsbestätigung, Carsharing-Nutzer direkt als Push-Nachricht in der App.


Das Ergebnis: Komfort für Gäste, Entlastung für Betreiber

Das System läuft vollautomatisch – rund um die Uhr, ohne manuellen Eingriff:

  • Gäste erhalten ihren Zugangscode sofort nach der Buchung, ohne auf eine Schlüsselübergabe warten zu müssen. Der PIN funktioniert exakt im gebuchten Zeitraum – nicht früher, nicht später.

  • Betreiber sparen sich die manuelle Verwaltung von Zugangscodes. Keine Zettelwirtschaft, keine vergessenen Schlüssel, keine Anrufe wegen verlorener Codes. Das System kümmert sich um alles.

  • Sicherheit wird großgeschrieben: Jeder Code ist individuell und zeitlich begrenzt. Die lokale API-Architektur verhindert Zugriffe von außen. Die Kommunikation läuft authentifiziert über den MQTT-Broker.

Gleichzeitig ist die Lösung flexibel und erweiterbar: Neue Buchungsquellen oder weitere Türen lassen sich mit minimalem Aufwand integrieren. Die saubere Trennung zwischen Cloud-Logik und lokaler Hardware-Steuerung macht das System zukunftssicher.


Technologie trifft Gastfreundschaft

Was den Mehrgenerationen Hof Ahaus auszeichnet, ist genau diese Verbindung: Modernste Technik, die im Hintergrund leise und zuverlässig arbeitet – damit im Vordergrund das steht, was zählt: ein unkomplizierter, komfortabler Aufenthalt für jeden Gast.

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